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Myofunktionelle Störungen (MFS) und „Lispeln“

Aussprachestörungen der Laute „s“ oder „sch“

Was ist eine Myofunktionelle Störung?

Dabei handelt es sich um

  • ein falsches Bewegungsmuster von Zunge und Lippen beim Schlucken. Das bedeutet, dass die Zunge sich bei jedem Schluckakt (wir schlucken ca. 2000x/Tag) paradoxerweise nach vorne bewegt und somit gegen die Zähne drückt. So kann die Zunge als einer der stärksten Muskelkomplexe unseres Körpers die Zähne verschieben.
  • ungünstige Muskelspannungszustände im Mundbereich, die z. B. dazu führen, dass die Zunge ihre korrekte Zungenruhelage nicht finden, bzw. einhalten kann.

Welches Erscheinungsbild hat eine Myofunktionelle Störung?

Möglich ist

  • Offene Lippenhaltung
  • Mundatmung
  • Unterlippe verdickt und gerötet
  • Unterlippe nass
  • Artikulationsfehler, häufig bei /s/ und /sch/
  • Haltungsprobleme 
  • Speichel in den Mundwinkeln
  • Zunge stößt in der Ruhelage gegen die Zähne, bzw. liegt zwischen den Zähnen
  • Mimische Muskulatur ist wenig ausgeprägt

Wie entsteht Lispeln, wo liegt die Ursache?

Beim „Lispeln“ handelt es sich um eine sogenannte „Phonetische Störung“. Das bedeutet, dass die an der Bildung der Laute beteiligten Sprechorgane (Zunge, Lippen) in ihren Funktionen (Wahrnehmung, Luftführung, Zungen- und Lippenstellung usw.) eingeschränkt sind.
Hierbei werden die Laute /s/ oder /sch/ entweder zwischen den Zähnen (Sigmatismus / Schetismus interdentalis) oder an den Zähnen (Sigmatismus / Schetismus addentalis) gebildet. Manchmal entweicht die Artikulationsluft auch seitlich zwischen den Zähnen (Sigmatismus / Schetismus lateralis).
Fast 40% aller Vor- und Grundschulkinder lispeln. Viele Kinder zeigen dies bereits bei ihren ersten Wörtern. Generell geht man davon aus, dass nur wenige Kinder das Lispeln von alleine überwinden.

Die Entstehung dieser Fehlbildung hängt häufig mit einem Ungleichgewicht der Lippen- und Zungenmuskulatur zusammen, hat also eine Myofunktionelle Störung zur Ursache.
Eine Therapie dieser Artikulationsfehler beinhaltet somit häufig auch mundmotorische Übungen, um eine korrekte Aussprache der Laute zu ermöglichen.

Wie kommt es zu einer Myofunktionellen Störung?

Es gibt verschiedene Ursachen, z. B.

  • Behinderte Nasenatmung durch vergrößerte Gaumen- oder Rachenmandeln, Allergien, mangelhaftes oder fehlendes Schnäuzen oder durch ständige Infekte
  • Ungünstige Säuglingsernährung: 
    • Flaschensauger mit zu kleinem Durchmesser
    • Zu kurze Still- oder Flaschenmahlzeiten
    • Milchfluss zu stark
    • Loch im Flaschensauger zu groß
    • Zu lange und zu intensive Flaschenernährung
    • Trinken aus der Schnabeltasse
  • Lutschgewohnheiten (am Daumen, am Betttuch, Bleistift, Finger, … )
  • Nägelkauen

Nähere Infos zum Abgewöhnen des Schnullers siehe unter Kleinkind/Schnuller/Daumen und des Nägelkauens siehe unter Schulkinder/Jugendliche/Lispeln/MFS

Was sind mögliche Folgen einer unbehandelten Myofunktionelle Störung?

  • Bleibende Artikulationsprobleme oder/ und verwaschene Aussprache
  • Kiefer-/ Zahnfehlstellungen (z. B. stark vorstehende Frontzähne, Kreuzbiss, offener Biss, etc.)
  • Kiefergelenksprobleme
  • Aufgrund von Pressen oder Reiben der Zunge am Zahnfleisch kann Parodontose entstehen

Wie lässt sich eine Myofunktionelle Störung behandeln?

Die logopädische Therapie hat die korrekte Ruhelage der Zunge und das richtige Schlucken zum Ziel.
Abhängig von Schweregrad, Mitarbeit des Kindes und Unterstützung der Therapie durch die Eltern sowie evtl. vorhandener Aussprachestörung und deren Schweregrad, kann die Therapie mit einer Gesamtdauer von ca. 30-40 Behandlungen angegeben werden.
Neben anderen Störungsbildern, ist unsere Praxis auf die Behandlung Myofunktioneller Störungen spezialisiert. Frau Kittel entwickelte für diesen Bereich ab dem Jahre 1982 ein fundiertes Therapiekonzept für Schulkinder und Erwachsene. Im Verlauf der Jahre wurde die Vorgehensweise stets weiter verbessert.

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Myofunktionelle Therapie für 9-99-jährige  - bei Bedarf mit spezieller Therapie der Artikulation von /s/ und /sch/

Seit 2009 beteiligt sich Frau Förster (Tochter von Frau Kittel) an der weiteren Optimierung.

Seit 2010 wird das Konzept unter „MFT 9-99 sTArs“ (Myofunktionelle Therapie für 9-99 Jahre mit spezieller Therapie der Artikulation von s/sch) geführt.
Frau Kittel arbeitete schon immer mit Säuglingen und kleinen Kindern mit Muskelschwächen im Mund- und Gesichtsbereich (siehe Näheres unter Säuglinge Mund- / Esstherapie sowie unter Kleinkind Kauen / Schlucken / Sabbern).
Die Nachfrage eines Therapieprogrammes für den Vorschulbereich wurde in Frau Kittels Fortbildungen immer größer.
Daraufhin entwickelten Nina Förster und Anita Kittel ein spielerisches Therapiekonzept für die Altersgruppe von 4-8 Jahren:

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Myofunktionelle Therapie für 4-8-jährige  - bei Bedarf mit spezieller Therapie der Artikulation von /s/ und /sch/

In beiden Konzepten wird die Ganzkörperarbeit als wichtiger Bestandteil angesehen und in die mundmotorische Arbeit miteinbezogen.
Die logopädische Behandlung kann in Einzel- oder Gruppentherapie mit max. 2 Kindern erfolgen.
Muki, der Affe, und seine zwei Freunde nehmen das Therapiekind mit auf ihre Abenteuerreise.
Muki bringt den Kindern in lustiger Weise Zungen- und Lippenübungen, das korrekte Schlucken und, falls notwendig, die richtige Aussprache der Laute „s“ und „sch“ bei.

Wie können die Eltern die Mundmotorik ihres Kindes zu Hause fördern?

  • Pustespiele (Pustefußball, mit Strohhalm in Seifenwasser Blasen pusten)
  • Schnalzen („Schnalzlieder“, Pferdchen spielen)
  • Lippenstift auftragen: Kussmünder auf ein Bild (spitzige kleine, große, offene, geschlossene…)
  • Lippenflattern (Während dem Spielen mit Autos oder „Pferdchen“)
  • In Maßen Kaugummi kauen (nur 10 Min.)
  • Ansaugspiele (mit Strohhalm)
  • Salzstangen ohne Hilfe der Hände essen
  • Kokosraspeln oder ähnliches mit der Zunge aufnehmen, mal viele, mal wenige
  • Geschicklichkeitsspiele mit Mundschluss / Zungenruhelage

Mehr Informationen können Sie in unserem Ratgeber „Myofunktionelle Störungen – Ein Ratgeber für Eltern und erwachsene Betroffene“ von Anita M. Kittel erfahren.

Praxis für Logopädie A. Kittel

Inh. Nina Förster
Nürtinger Str. 5
72555 Metzingen
T: +49 (71 23) 20 02-41



Sprache ist der springende Punkt.

Praxis für Logopädie A. Kittel seit 1982