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Zwei- oder Mehrsprachigkeit

Welche Sprache sollte die Mutter oder der Vater sprechen?

Zwei- oder Mehrsprachigkeit ist für ihr Kind in der Regel ein Gewinn und eine Herausforderung zugleich! Die Herausforderung besteht darin, dass das Kind verschiedene Sprachsysteme erlernen muss. Viele Sprachen haben einen unterschiedlichen Sprachrhythmus, das bedeutet, ein unterschiedliches Betonungsmuster der Wörter. Der Rhythmus der deutschen Sprache ist z. B. anfangsbetont, französisch ist endbetont. Der Satzbau und die Grammatik sind oft völlig unterschiedlich.
Meistens spricht das Kind aber nicht beide Sprachen gleich gut.
Es kann sein, dass es nur eine der Sprachen (überwiegend) nutzt oder auch, dass es zwei Sprachen miteinander vermischt.

Wichtig ist, dass die Mutter (oder der Vater) mit dem Kind die Sprache nutzt, die sie (er) sehr gut beherrscht, im Alltag überwiegend spricht und in der sie (er) sich am wohlsten fühlt.
Dies kann Deutsch sein, wenn z. B. die Mutter schon zweisprachig oder mehrsprachig aufgewachsen ist. In diesem Fall sollte die Mutter die „ursprüngliche“ Muttersprache    (z. B. türkisch) in sogenannten „Sprachinseln“ anbieten.
Spricht die Mutter überwiegend in ihrer Muttersprache und beherrscht dennoch die deutsche Sprache gut, so sollten die „Sprachinseln“ in Deutsch angeboten werden.
Kann die deutsche Sprache dem Kind nicht flüssig und regelmäßig angeboten werden, raten wir, das Kind frühzeitig in einer Kindertagesstätte oder einem Kindergarten unterzubringen, damit das Kind viel deutsche Sprachanregung bekommt.

Was sind Sprachinseln?

Sprachinseln sind z. B. bestimmte Situationen, Orte, Personen, Figuren, Gegenstände, Geschichten oder Spiele, die regelmäßig und als Ritual (also immer in ähnlicher Art und Weise und zur ähnlichen Zeit) in Verbindung mit der anderen Sprache auftauchen. Dem Kind muss klar werden, dass die andere Sprache immer in Verknüpfung mit der bestimmten Sache oder Situation z. B. auf dem Wickeltisch oder bei der Gute-Nacht-Geschichte oder beim Abendessen mit Papa etc. angeboten wird.

Wann braucht ein zwei- oder mehrsprachiges Kind Logopädie?

Normalerweise sollte ein Kind mit zwei Jahren mindestens 50 Wörter sprechen, wobei es verschiedene Wörter sein müssen, egal in welcher Sprache. Aussprachefehler dürfen vorkommen.
Ist dies nicht der Fall, kann bei Zwei- oder Mehrsprachigkeit eine Verzögerung von ca. einem halben Jahr toleriert werden.
Falls ein Kind in beiden bzw. allen Sprachen Auffälligkeiten zeigt (z. B. in Bezug auf die Grammatik oder die Aussprache), ist eine logopädische Abklärung sinnvoll und gerechtfertigt. Zeigt es nur in der deutschen Sprache Probleme und spricht die Zweitsprache perfekt, so liegt ein Deutschproblem vor und das Kind sollte pädagogisch gefördert werden.

Eine Sprachentwicklungsstörung liegt z. B. dann vor, wenn in beiden oder allen Sprachen

  • der Wortschatz stark eingeschränkt ist
  • regelmäßig grammatikalische Fehler auftauchen
  • Ausspracheprobleme vorhanden sind, die nicht der Altersnorm entsprechen
  • das Sprachverständnis nicht altersgemäß ist

Wie läuft eine logopädische Untersuchung und Therapie bei Zwei- oder Mehrsprachigkeit ab?

Wenn ein Elternteil recht gut deutsch spricht bzw. versteht, sollte dieser das Kind zur Therapie begleiten. Falls dies nicht der Fall ist, ist die Anwesenheit eines Dolmetschers, zumindest bei Elternberatungsgespräche, wichtig. Ist dies nicht möglich, liegen uns in der Praxis Elternfragebögen zum Ankreuzen in 10 verschiedenen Sprachen vor. Zudem können wir in etlichen Sprachen Elternbriefe zur Information anbieten.
Des Weiteren haben wir die Möglichkeit, die Aussprache in 10 verschiedenen Sprachen abzuprüfen.
Fragen Sie ggf. nach, denn es kann sein, dass wir derzeit Logopädinnen im Team haben, die Ihre Muttersprache beherrschen.

Praxis für Logopädie A. Kittel

Inh. Nina Förster
Nürtinger Str. 5
72555 Metzingen
T: +49 (71 23) 20 02-41



Sprache ist der springende Punkt.

Praxis für Logopädie A. Kittel seit 1982