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Daumenlutschen und Schnullergebrauch

Daumenlutschen etc.

Beim Daumenlutschen liegt die Zunge am Mundboden. Dadurch befindet sich der Kiefer in einer Fehlhaltung. Durch den Daumendruck kann sich der Kieferknochen verformen und die Zähne verschieben. Es kann nach einiger Zeit zu einem offenen Biss kommen (Lücke zwischen oberer und unterer Zahnreihe). Ist der Daumen nicht im Mund, lagert sich die Zunge in dieser Lücke ein. Normalerweise sollte die Zunge jedoch am Gaumendach hinter den oberen Schneidezähnen liegen, um das Kieferwachstum positiv zu beeinflussen. Es wird gaumenwärts geschluckt. Bei „Lutschkindern“ ist dies nicht der Fall. 
Wenn Fingernägel gekaut oder sonstige Gegenstände zum Knabbern oder Saugen benutzt werden (z. B. Betttuch, Stofftier, Pulliärmel u. ä.), kommt die Zunge dem Gegenstand und damit den Zähnen entgegen. Dies führt wie beim Daumenlutschen zu einem gegen die Zähne gerichteten falschen Schlucken.

Mögliche Folgen von Daumenlutschen (oder anderen Fingern), Lutschen an Stiften oder an Tüchern und Kauen an Fingernägeln können sein:

- Zahn- und Kieferfehlstellungen z. B. offener Biss
- Falsche Zungen- und Lippenruhelage 
- Falsches Schlucken

= Myofuntkionelle Störung 
  (Muskelfunktionsstörung mit falschem Schluckmuster).

siehe auch: Kauen/Schlucken/Sabbern


Bei beginnendem Daumenlutschen im ersten Lebensjahr raten wir unbedingt zur Angewöhnung eines Beruhigungssaugers. Die Angewöhnung des Schnullers bedeutet für Sie als Eltern zunächst konsequente „Arbeit“, da das Kind diesen zunächst ablehnen wird. Die Mühe wird sich jedoch auf Dauer auszahlen, denn der Schnuller ist leichter abzugewöhnen.

Tipps zum Schnullergebrauch

  • Ein Schnuller sollte nach spätestens 1,5 – 2,5 Jahren abgewöhnt werden. Den ständigen Gebrauch eines Beruhigungssaugers - und das über Jahre hinweg - vermeiden!
  • Denken Sie immer daran, dass der Schnuller (genauso wie der Daumen) die Zahn- und Kieferstellung negativ beeinflusst und zu einem falschen Schlucken führen kann, wenn Ihr Kind ihn zu viel und zu lange benutzt.
  • Beim Sprechen gehört der Schnuller nicht in den Mund! Das Sprechen mit Beruhigungssauger führt zu einer verwaschenen, bzw. falschen Aussprache der Laute, da die Zunge in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt ist.
  • Der verwendete Schnuller sollte klein sein und keine Kirschform (siehe Foto Säugling Schnuller/Daumen) haben: Die quer-ovale Schnullerform ist am besten (z. B. Avent, MAM). Die sogenannten „kiefergerechten Schnuller“ (z. B. NUK, Dentistar) sind generell nicht schlecht, allerdings sind sie nicht mehr kiefergerecht, wenn sie von dem Kind im Mund gedreht werden können. Dies ist bei den meisten Kindern schon ab 8 Monaten der Fall. 
  • Die Größe „6 Monate“ kann bei einigen Kindern bis zum Abgewöhnen des Beruhigungssaugers (um 2 Jahre) verwendet werden. Die nächste Größe sollte nur angeboten werden, wenn das Kind den gesamten Schnuller in den Mund nimmt (Gefahr des Verschluckens).
  • Sie als Eltern entscheiden, wann und in welcher Situation das Kind den Schnuller bekommt. Denken Sie immer daran: Ein Schnuller ist ein Beruhigungssauger und sollte nur als ein solcher dienen. Daher ist die Verwendung einer Schnullerkette nicht sinnvoll, da Ihr Kind sonst ständig Zugriff auf den Beruhigungssauger hat und das Schnullern dann zur Gewohnheit wird.

Wie gelingt die Abgewöhnung des Schnullers?

Den Schnuller kann man nach 1,5 bis 2,5 Jahren gut dem „Nikolaus“ mitgeben oder der Tante schicken oder an den Schnullerbaum hängen (Schnullerbaum: siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Schnullerbaum).
Meist haben die Eltern Angst vor den Folgen der Abgewöhnung des Schnullers. Sie malen sich aus, Ihr Kind könne ohne den Schnuller nicht mehr einschlafen oder durchschlafen, sich in Stresssituationen nicht mehr beruhigen etc. und daraus einen emotionalen Schaden tragen.
Wichtig für die Gefühlswelt des Kindes ist allerdings, dass neben einer kindgerechten „Schnullerabschiedsgeschichte“ ALLE im Haus verfügbaren Schnuller entfernt werden. Damit wird die Konsequenz der Eltern unterstützt, so dass sie gar nicht in Versuchung kommen, doch einen Schnuller anzubieten.
Durch das erneute Anbieten eines Schnullers würden Sie sich dem Kind gegenüber unglaubwürdig machen.
Unsere Erfahrung zeigt, dass das Kind mit der neuen Situation viel besser zurechtkommt, als es sich die Eltern je vorgestellt hätten. Im Gegenteil, einige Eltern berichten, dass ihr Kind OHNE Beruhigungssauger besser ein- und durchschläft als mit Schnuller.

 

Welche Folgen können durch Lutschgewohnheiten entstehen?

Zu langes und zu häufiges Schnullern oder Lutschen kann zu Folgendem führen:

  • Offene Mundhaltung
  • „Sabbern“
  • Lispeln oder andere Aussprachestörungen
  • Falsches Schlucken (Zunge presst gegen die Zähne)
  • Offener Biss oder andere Zahn- und Kieferfehlstellungen


Wenn es zu solchen Auffälligkeiten kommt, kann eine Myofunktionelle Störung (Muskelfunktionsstörung im Mundbereich) vorliegen. Sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt, ob eine logopädische Abklärung sinnvoll sein kann.

Weitere Infos zur Myofunktionellen Störung bei Kleinkindern siehe unter Kleinkind/Kauen/Schucken/Sabbern

Praxis für Logopädie A. Kittel

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