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Unflüssiges Sprechen bei Kleinkindern

- Stottert mein Kind? -

Stottert mein Kind?

Der Paketdienst klingelt an der Tür. Mama öffnet die Tür und nimmt ein Paket entgegen. Aufgeregt stürmt Tom auf seine Mama zu:
„Was, was ist, was ist das da?“ fragt das Kind. Mama sagt, dass es ein Paket von Opa sei. Voller Spannung fragt Tom „i—i-ist da Schoschoschokolade drin? Oder ein Spiel – äähm - Auto mein ich?“

Die Mutter ist schockiert und versucht dies vor dem Kind zu verbergen. Heute Morgen hat ihr Dreijähriger doch noch ganz normal gesprochen. Jetzt hört es sich an wie Stottern.
In ihrem Kopf kreisen unkoordiniert tausend Zukunftsängste und Fragen:

  • Wird ihr Kind jemals wieder richtig sprechen?
  • Wird Tom jetzt im Kindergarten gehänselt?
  • Wird er durch die Sprachbehinderung verhaltensauffällig?
  • Wie antworte ich auf Fragen aus unserem Umfeld?
  • Wird Tom trotzdem einen guten Beruf erlernen können?

Krampfhaft versucht sich die Mutter wieder klar zu machen, dass es sich vielleicht doch nur um eine Phase handeln könnte. Dann erinnert sie sich an ein Mädchen aus Toms Kindergarten, welches auch stottert: Hat er das vielleicht von ihr übernommen?

Toms Mutter versucht, die Gedanken wegzuschieben und so normal wie möglich mit ihrem Sohn umzugehen.
Mittags beim Bäcker fragt Tom dann lautstark: „Krieg, krieg, krieg ich eine Bre-Bre-Brezel?“
Die Verkäuferin und alle umstehenden Kunden schauen Mutter und Kind sichtlich irritiert an.
Toms Mutter weiß nicht, wie sie sich verhalten soll.

Was sind entwicklungsbedingte Unflüssigkeiten beim Sprechen?

In dem Alter zwischen zwei und viereinhalb Jahren treten bei einigen Kindern im Rahmen ihrer Sprachentwicklung Phasen auf, in denen sie manchmal Satzteile, Wörter oder Silben wiederholen oder im Sprechen innehalten, um das richtige Wort zu finden oder den Ablauf des Satzes richtig gestalten zu können. Auch kommt es vor, dass sie ab und zu einzelne Anfangsbuchstaben etwas länger ziehen. Diese Unsicherheiten im Sprachablauf können völlig normal sein.

Also: Es ist nicht alles Stottern, was unflüssig klingt! Wenn kleine Kinder in der oben beschriebenen Weise sprechen, liegt noch kein Stottern vor. Sie können Ihr Kind dabei unterstützen, positive Erfahrungen in der Kommunikation zu sammeln: Sprechen soll Spaß machen, soll freiwillig erfolgen, soll das eigene Handeln spontan begleiten dürfen. Das Vor-sich-hin-Plappern sollte genauso erlaubt sein wie ein „unfertiges“ oder noch „fehlerhaftes“ Sprechen. Wichtig ist vor allem, die Sprechfreude des Kindes zu festigen bzw. zu entfalten. Mit einer immer größer werdenden Sprechaktivität wachsen die Übungsmöglichkeiten und der Erfahrungsschatz des Kindes: Es lernt, immer sicherer mit Sprache umzugehen und flüssiger in der Kommunikation zu werden.

Wie soll ich oder meine Umgebung auf das unflüssige Sprechen reagieren?

Eltern sollten darauf achten, was das Kind sagt und weniger die äußere Form (wie es etwas sagt) beachten.
Sie sollten also so normal wie möglich auf die Äußerungen Ihres Kindes eingehen.
Das bedeutet

  • das Kind nicht unterbrechen
  • das Kind nicht auf Fehler hinweisen bzw. korrigieren
  • keine Ratschläge wie z. B. „Sprich langsamer“, „Hol tief Luft“
  • sich nicht rechtfertigen

Was tun, wenn die Sprechunflüssigkeiten zunehmen?

Sollten die entwicklungsbedingten Sprechunflüssigkeiten sehr lange anhalten oder sich verstärken, ist eine ärztliche und logopädische Abklärung ratsam.
Stottern erkennt man daran, dass häufige Laut- und Silbenwiederholungen auftreten (z. B. „ei-ei-ei-eine“ oder „k-k-k-kann“).
Es können zudem lang anhaltende Laut- oder Silbendehnungen (z. B. „aaaaaaaber“) oder es zeigen sich Blockaden oder Phasen des Pressens, weil das Kind bestimmte Laute nicht locker aussprechen kann.

Gibt es auch Kinder, die von Anfang an richtig stottern?

Manche kleinen Kinder beginnen von einem Tag zum anderen wirklich richtig stark zu stottern, wie im geschilderten Fall von Tom.
Es treten also zum Beispiel schon viele Laut- und Silbenwiederholungen auf.
Wenn es den Eltern gelingt, zunächst relativ entspannt mit der Situation umzugehen, kann das Kind einige Wochen beobachtet werden.
Sollte das Umfeld des Kindes zu sehr verunsichert sein oder das Kind bereits ein Störungsbewusstsein entwickelt haben, raten wir nach Absprache mit dem Arzt zu einer logopädischen Beratung.

Geht Stottern von alleine weg?

Bei 60-80% der Kinder wird das Sprechen wieder komplett flüssig. Vor allem bei kleinen Kindern kann das Stottern so schlagartig wie es aufgetreten ist wieder verschwinden.

Ab welchem Alter kann Logopädie helfen?

Eine logopädische Therapie ist ab 2 Jahren möglich. Hierfür gibt es gezielte altersgerechte Untersuchungs- und Therapiemethoden.
Denn erst wenn 3 % aller gesprochenen Silben in oben genannter Weise verändert werden, handelt es sich um richtiges Stottern.

Praxis für Logopädie A. Kittel

Inh. Nina Förster
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T: +49 (71 23) 20 02-41



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