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Bechertrinken und Trinklernhilfen aus logopädischer Sicht

Ab wann sollte das Bechertrinken geübt werden?

In den ersten 4 - 7 Lebensmonaten reicht normalerweise Milch aus und eine zusätzliche Gabe von Tee ist in der Regel nicht notwendig. Damit sich das Saugmuster umstellen kann, sollte unbedingt zwischen dem Beginn des 5., spätestens mit Beginn des 7. Lebensmonates das Füttern von Brei (Beikost) und das Trinken aus einem Becher geübt werden. Trinken ist jetzt nicht mehr ausschließlich Nahrung, sondern dient immer mehr zum Durst löschen. D. h.: Das Kind bekommt immer weniger Milch.

Aus logopädischer Sicht ist es ratsam, das Trinken aus dem Fläschchen oder der Brust um den ersten Geburtstag des Kindes, spätestens um 1,5 Jahre, abzugewöhnen. Das Kind sollte zudem in diesem Zeitraum vom Nachtfläschchen entwöhnt werden.
Damit wird der Zungenvorstoß immer weiter reduziert und ein gaumengerichtetes Schlucken gefördert. Dadurch kann Zahnfehlstellungen, Kieferfehlstellungen und Karies vorgebeugt werden.

Achten Sie von Anfang an darauf, einen normalen Becher OHNE „Mundstück“ (z. B. Schnabeltasse / Schnabelflasche) zu verwenden, da sonst das natürliche, gegen den Gaumen gerichtete Schlucken nicht vollständig trainiert werden kann.

Wir empfehlen entweder kleine Schnapsgläschen oder die Plastikverschlusskappen von Fläschchen zu verwenden.

Das Kind lernt beim Bechertrinken mit den Lippen das Glas abzudichten. Damit trainiert es die Lippenmuskulatur einerseits und andererseits nach und nach ein gegen den Gaumen gerichtetes Schlucken.

Welche Trinklernhilfen können sinnvoll sein?

Das Trinken aus besseren Trinklernhilfen (z. B. mit flexiblem Strohhalm), beherrschen manche Kinder schon mit 8 / 9 Monaten, die meisten aber erst um das erste Lebensjahr. Flaschen mit flexiblem Silikonhalm gibt es inzwischen von fast allen bekannten Herstellern. Manche Firmen verwenden längere und manche kürzere Halme. Es muss ausprobiert werden, mit welcher Art das Kind besser zurechtkommt. Hier einige Beispiele: NUK Flexicup, Babylove, Nuby Trinkflasche Sport Sipper u.a. Alternativ kann schon früh eine Flasche mit Schraubverschluss oder ein gut verschließbarer Becher benutzt werden (z. B. „Emil die Flasche“: www.emil-die-flasche.de oder verschraubbare Trinkflasche von Tupperware: www.tupperware.de/produktwelt/c-136-ecoeasy-500-ml.)

Wenn das Kind z. B. eine Kindertageseinrichtung besucht oder auch bei Ausflügen im Sommer (Schutz gegen Insekten) kann es ab einem Jahr sinnvoll sein, eine gute Trinklernhilfe anzugewöhnen. Oft ist es den Erzieherinnen in einer solchen Einrichtung wichtig, dass die Kinder selbstständig trinken können. Manche Kindertageseinrichtungen lehnen aber Trinklernhilfen bewusst ab und fördern das Trinken aus einem richtigen Glas.
Wenn Kinder das Glas oder den Becher konsequent gereicht bekommen, versuchen diese meist schon um den ersten Geburtstag den Becher oder das Glas selbst zu halten. Viele können zwischen dem 14. und 18. Monat bereits selbstständig und ohne Verschütten daraus trinken.

Wenn die Kinder nach einem Getränk fragen, lernen sie mit einem Becher oder Glas genau die gleiche Selbstständigkeit wie mit einer Trinklernhilfe.
Das Dauernuckeln aus einer Trinklernhilfe kann zu Karies führen. Wenn einem Kind die Trinklernhilfe überlassen wird, besteht diese Gefahr. Und zudem kann es möglich sein, dass es „zum Spaß“ trinkt und sich dadurch kein richtiges Durstgefühl entwickeln kann.

Welche Trinklernhilfen sind ungünstig?

Es gibt viele ungünstige Trinklernhilfen, bei welchen die Lippen- und Zungenmuskulatur in ihrer Funktion eher behindert wird. Z. B. Schnabeltassen mit starrem „Schnabel“ oder „Radlerflaschen“. Das Mundstück wirkt so negativ wie Daumenlutschen.

Wie sinnvoll sind Schnabeltassen mit flexiblem Mundstück?

Sie sind im Prinzip nicht viel anders als ein Flaschensauger. Das Ziel ist jedoch, das Kind vom Fläschchentrinken bzw. von der Brust bis ca. 1 Jahr (max. 1,5 Jahre) zu entwöhnen. 

Näheres zum Saugen und zum Abstillen bzw. dem Abgewöhnen von Fläschchen können Sie unter „Stillen und Stillprobleme“ und unter „Stillen / Fläschchen“ nachlesen.

Es ist generell etwas mehr Aufwand, dem Kind zumindest im ersten Lebensjahr ausschließlich das Trinken mit dem Becher zu reichen (das wissen wir aus der Erfahrung mit den eigenen Kindern), aber es ist möglich und zahlt sich aus. Denn zum Einen muss keine Schnabeltasse wieder abgewöhnt werden und zum Anderen wird das natürliche Trinken und Schlucken trainiert.

Praxis für Logopädie A. Kittel

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